Von:
Kathrin Danhof

e-schulhof.de

Ich bin unterwegs. Gerade als ich an einer Grundschule vorbeigehe, ertönt der Pausengong. Ich nehme mir die Zeit und beobachte von außerhalb, wie sich der Schulhof erst mit wenigen, dann mit immer mehr Kindern füllt. Jedes scheint zu wissen, wo es hin will. Ich sehe fröhliche Kinder, aber auch solche, die sich niedergeschlagen an einen einsamen Ort zurückziehen. Ich sehe glückliche, entspannte, gleichgültige, jubelnde, friedliche und verärgerte Kinder. Hier unterstützen sich die Kinder beim Stelzenlauf, dort gehen zwei aufeinander los und kämpfen um einen Ball. Die Pausenaufsicht gibt sich alle Mühe, damit kein Streit eskaliert. Manche gehen rücksichtsvoll miteinander um, andere schreien sich wutentbrannt an.

Lachen und Weinen, Hoffnung und Angst, Freude und Wut, Verlieren und Wiederfinden: Das ganze Leben ist auf dem Schulhof zu entdecken.

„Kind müsste man wieder sein!“, wünschen sich viele. Was beinhaltet dieser Wunsch? Ist es die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Leben? Oder drückt sich darin unsere Hoffnung auf mehr Freiheit, mehr Leichtigkeit, mehr Zufriedenheit aus?

Während ich meinen Gedanken nachhänge, bemerke ich im Gebüsch einen kleinen Jungen, der mich anlächelt und sogleich darauf wieder verschwindet. Auch ich muss nun lächeln. Lächeln steckt an!

Vielleicht versteckt sich hinter unserem Wunsch, wieder Kind zu sein, ja auch die Sehnsucht einfach mal wieder unbeschwert lächeln zu können, während um uns herum das Leben tobt. Noch in Gedanken versunken bemerke ich, dass der Schulhof inzwischen leer ist. Wo eben noch buntes Treiben herrschte, breitet sich nun Stille aus. Nur aus einiger Entfernung hört man noch Kinderstimmen…lächelnd ziehe ich weiter.

Das ganze Leben lässt sich auf dem Schulhof entdecken: Lachen und Weinen, Hoffnung und Angst, Freude und Wut, Verlieren und Wiederfinden. Alles hat dort seinen Ort. Alles hat dort seine Zeit. Oder um es mit Worten aus der Bibel zusagen: „ Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“. Auf dem Schulhof scheint es tatsächlich so zu sein – zumindest solange bis der Pausengong erneut ertönt. Vielleicht spielen die Kinder ja gerade deswegen dort so unbeschwert mit einem Lächeln auf den Lippen.

Ich nehme mir vor, mich von dem Kinderlächeln anstecken zu lassen und mir Zeit zu nehmen für das ganze Leben: Ich will mir selbst zulächeln und mit mir verständnisvoller umgehen – egal, ob ich mich gerade über etwas freue oder wütend bin. Und ich möchte versuchen, auch die Menschen, die mir begegnen, lächelnd zu mehr Lebensfreude anzustecken – egal, ob sie gerade lachen oder weinen.